18. und 19. Jahrhundert: Die Aufklärung

Das 18. Jahrhundert wird in Portugal üblicherweise als – wortwörtlich übersetzt – das „Jahrhundert des Lichtes“ („século das luzes“) oder als „Aufklärung“ („iluminismo“) bezeichnet. Das Licht steht sinnbildlich für die Macht der Vernunft, die wie das Licht das menschliche Dasein erhelle.


Der Einfluss Frankreichs

Die Künstlichkeit der Barock-Literatur wurde immer deutlicher und auf formaler Ebene. Es gab kaum mehr Neuerungen. Ein beachtlicher Teil der Autoren, die sich für eine „neue“ Literatur einsetzten, hatte zuvor im Ausland gelebt. Dort waren sie zum Beispiel in Frankreich mit literarischen Innovationen in Kontakt gekommen, die sie im Vergleich zu einem ziemlich schwachen literarischen Schaffen im Portugal des 18. Jahrhunderts erlebten.
Einer der kritischsten und am stärksten vom französischen Denken beeinflusste Schriftsteller ist Luís António Verney (1713-1792). Er schrieb unter dem Pseudonym Frade Barbadinho sechzehn Briefe. Diese handelten zwar in erster Linie von der Literatur, er sprach aber ganz bewusst auch andere Themen an wie das Bildungswesen oder Erziehung der Frau an, was als eine Art „Antwort“ an D. Francisco Manuel de Mello betrachtet werden könnte. Im Gegensatz zu D. Francisco Manuel de Mello war für Luís António Verney die intellektuelle Bildung der Frau gerade deshalb so wertvoll, weil diese dadurch ihre Funktionen als Ehefrau und Mutter noch besser erfüllen könnte. In O Verdadeiro Método de Estudar betont er auch, wie wichtig das „Prinzip des Zweifelns“ in allen wissenschaftlichen und pädagogischen Bereichen ist. Damit weist er die damals herrschende Meinung zurück, dass Schüler die Worte ihrer Lehrmeister nicht anzweifeln oder hinterfragen sollten („magister dixit“).


Die Gründung von Akademien

Arcádia Lusitana
Im Zuge dieser notwendigen Erneuerung des kulturellen portugiesischen Lebens kam es auch zur Gründung von Zusammenschlüssen und Akademien. Die 1756 gegründete Arcádia Lusitana oder Ulissiponense (später in Nova Arcádia umbenannt) war die bekannteste. Sie verfolgte eine Rückkehr zu den klassischen Ideen und zur portugiesischen Literatur des 16. Jahrhunderts.

Correia Garção gilt als der Theoretiker dieses Neo-Klassizismus der als Strömung  hinter den Erwartungen seiner Mentoren zurückblieb, zeigte sich jedoch als ein interessanter Poet in seiner Darstellung des Alltäglichen. Und auch als Dramaturg verfügte er über eine gewisse Originalität, wie sich vor allem in Assembleia ou Partida, einem Sitten-Lustspiel zeigt. Darin kritisiert er stark die aufsteigende Bourgeoisie.

Obwohl er nicht zur Arcádia Lusitana gehörte, war der größte Theaterautor dieser Epoche aber António José da Silva (1705-1739). In seinen Stücken, im Theater des Bairro Alto in Lissabon aufgeführt, wurde das feierlich vorgetragene Theater mit Musik kombiniert und mit Marionetten (bemalte Handpuppen aus Holz, die durch Draht bewegt werden) gespielt. Guerras de Alecrim e Manjerona, das eine scharfe soziale Kritik durchscheinen lässt, vereint viele Charakterzüge der portugiesischen Gesellschaft in dieser Zeit. Die Intoleranz war leider einer davon. Ein trauriges Beispiel dafür war der Tod von António José da Silva: Dieser wurde, bekannt als „o Judeu“ („der Jude“), auf einem Scheiterhaufen der Inquisition verbrannt.

Ein ebenso kritischer Tonfall findet sich in dem heroisch-komischen Gedicht Hissope von Cruz e Silva (1731-1799). Von epischer Struktur werden darin vom Adel bis zum Klerus, vom politischen Konservatismus bis zum literarischen Barock die ganze Gesellschaft und deren Verhaltensweisen in ironischen Kommentaren analysiert.

Arcádia Portuense
In der Stadt Porto wurde die Arcádia Portuense gegründet. Ihr wichtigster Vertreter war Paulino António Cabral (1719-1789). Er verarbeitete sein alltägliches Leben in Gedichten, die er mit dem Pseudonym Abade de Jazente unterzeichnete.

Nicolau Tolentino (1740-1811) führte diese Linie fort. Allerdings sind seine Ironie und sein Humor deutlich beißender, was zum Großteil auf sein Leben als Bohemien zurückzuführen ist.

Tomás Gonzaga (1744-1810) thematisierte in seiner Poesie die beschwerlichen Bedingungen, unter denen die schwarzen Sklaven in den Minen und Zuckerrohrplantagen Brasiliens litten. Er lebte selbst viele Jahre in Brasilien und wurde dort wegen seines Engagements in den Unabhängigkeitsbewegungen festgenommen. Marília de Dirceu ist eine Mischung aus Hirtengedicht und Exotismus, was es vom Neo-Klassizismus trennt. Darin spricht Tomás Gonzaga das vertrauliche bürgerliche Leben in einem tropischen Ambiente an. Diesem sah er sich übrigens selbst ausgesetzt, als er ins Exil nach Mosambik gehen musste.


Dichter im Exil

Das Schicksal eines Exilierten auf der Flucht vor der Inquisition ereilte auch einen der interessantesten Dissidenten der Arcádia Lusitana, Filinto Elíseo (1734-1819). Seine Poesie ist eine Reise durch den Alltag, geprägt von Einsamkeit und Unterdrückung.

Der Reichtum und die Vielfalt des Alltäglichen, in denen diese Dichter Zuflucht fanden, brachten schließlich doch noch die Ideale der Arcádia Lusitana zu Fall. Deren Anhänger hatten sich damit gebrüstet, durch die Nachahmung der klassischen Modelle eine dem Barock nahezu identische Künstlichkeit zu erreichen.


Text: Alcides Murtinheira
Übersetzung: Martina Schmidt