17. und 18. Jahrhundert: Literatur des Barock

Während der Vereinigung der spanischen und portugiesischen Krone taten sich einige portugiesische Namen in der Kunst hervor, vor allem in der Musik und in der Literatur. Gerade zu Beginn der spanischen Herrschaftszeit gab es einen gewissen Respekt den portugiesischen Lebensweisen und Werten gegenüber. Dieser nahm mit der Zeit allerdings immer weiter ab.
Das Auftreten des Barock mit all seiner Künstlichkeit und Affektion rechtfertigt sich aus der bestehenden Unterordnung unter die spanische Herrschaft: Das Rühmen der nationalen Werte sowie die Glorifizierung der Nation verloren die Bedeutung, die sie in der Klassik und im Glanz der Entdeckungen gehabt hatten.


Theoretisierende Prosa

Es bildete sich eine recht theoretisierende Prosa heraus, die sich zum Beispiel bei Franciso Rodrigues Lobo (1580-1629) findet. In Corte na Aldeia (1629) handelt er in 16 Dialogen mit einer gewissen Nostalgie und einem schlecht verkleideten Pessimismus diverse Themen ab, von denen die Anredeformeln besondere Beachtung verdienen, vor allem da sie auch in der Zukunft noch viele Male imitiert oder transformiert wird.

D. Francisco Manuel de Mello – der Theoretiker des Barock
Der große Theoretiker des 17. Jahrhunderts ist D. Francisco Manuel de Mello (1608-1666), ein sehr produktiver Autor, der auf Portugiesisch und Kastilisch (der Bilinguismus wurde immer deutlicher in dem von Spanien beherrschten Portugal) die didaktischen, lyrischen, dramatischen, historischen und die Brief-Gattungen behandelte. D. Francisco Manuel de Mello gebrauchte und missbrauchte Stilmittel wie zum Beispiel Wortspiele, Alliterationen, Periphrasen und Synonyme. Er wurde so zu einer herausragenden Persönlichkeit des literarischen Barock, in dem der verfeinerte und sehr artifizielle Stil üblich war.
Eines seiner bekanntesten Werke ist Carta de Guia de Casados, ein moralisches Traktat. In diesem plädiert der Autor für die Unterwerfung der Frau, wie es dem traditionellen Modell entspricht. Der Frau wird z.B. das Recht auf Schulbildung abgesprochen, da man glaubt, dieses könne die eheliche und familiäre Harmonie in Frage stellen und stören. Apólogos Diagonais, eine Sammlung von Dialogen, zeugt auf sprachlichem und inhaltlichem Niveau von größter Originalität, indem es bestimmten sozialen Klassen ihnen eigene charakteristische Objekte zuteilt. Dieses Werk zeugt von einer deutlichen Gesellschaftskritik, auf die der Konformismus bestimmter „Lösungen“ in Carta de Guia de Casados vielleicht nicht wirklich schließen ließ.
D. Francisco Manuel de Mello widmete sich zudem der literarischen Kritik. Für die Analyse der spanischen Literatur in Hospital de Letras wendete er ebenfalls den Dialog an, mit Auto do Fidalgo Aprendiz (1665) wandte er sich der Dramatik zu. Das Werk ist stark von den Dramen Gil Vicentes beeinflusst und durchzogen von einer patriotischen Stimmlage, die erst nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit wieder möglich war.


Frivole Poesie

Die Sammlungen Fénix Renascida (1715-1728) und Ecos que o Clarim da Fama dá (1761-1762) sind voller Beispiele für eine frivole Poesie. Sie geht sogar schon zur Zeit der (neuen) Unabhängigkeit des Landes nicht über die Beschreibung banaler Szenen hinaus. Damit ist sie sehr weit von der Erhabenheit der zwei Jahrhunderte früher angesprochenen Themen entfernt.


Geistliche Prosa

Die Prosa ist interessanterweise durch geistliche Elemente geprägt; die Entwicklung dieses wenig konsistenten Stiles ist dem Klerus geschuldet. Die Cartas Espirituais (1684-1687) von Bruder António das Chagas (1631-1682) und Exercícios Espirituais (1706) von Padre Manuel Bernardes (1644-1710) verharren zwar nur in den Begriffen von Ideen und Vorstellungen, sind aber klare Beispiele für den ausgefeilten Stil des literarischen Barock.

Padre António Vieira
Dennoch kommt aus dem Bereich der religiösen Prosa eine der größten und bedeutendsten Persönlichkeiten der portugiesischen Literatur und des portugiesischen Denkens: Padre António Vieira (1608-1697). Als Kind lebte er in Brasilien, wo er fast drei Jahrzehnte zubrachte. Dort kam er mit sozialen Wirklichkeiten in Kontakt, denen er als Kleriker und Schriftsteller nicht gleichgültig gegenüberstehen konnte. Sein Kampf um Respekt für die indianische Bevölkerung findet sich zum Beispiel in seinen Predigten und Briefen wieder. Er verband eine bedachte Wortwahl (eine Eigenart des Predigtstils) mit der nachdrücklichen Verteidigung seiner Sichtweise.
Seine Predigten beschränken sich nicht auf Umschreibungen oder Interpretationen von biblischen Texten, sondern zielen zuallererst auf eine Auseinandersetzung mit konkreten aktuellen Situationen des 17. Jahrhunderts. Vieira ist auch die ‚Wiederentdeckung’ der populären Liedchen geschuldet, die ein Schuhmacher namens Gonçalo Anes Bandarra geschaffen hatte. Diese Liedchen erinnern an die Ankunft eines rettenden Messias.
Padre António Vieira entwickelte die Theorie des Fünften Imperiums. An dessen Spitze stünde der König von Portugal und seine Entstehung würde mit der Rückkehr von Christus auf die Erde einsetzen. Gemäß Vieira sollten dann auch die vor der Inquisition geflohenen Juden in ihre Heimat (in diesem Fall Portugal) zurückkehren.
Sein literarisches Talent und sein Talent als Prediger, das bis über die Grenzen hinaus bekannt war, bewahrten Padre António Vieira dennoch nicht vor einer zweijährigen Gefängnisstrafe. Er kehrte mit siebzig Jahren nach Brasilien zurück und hörte nie damit auf, in Briefen und Berichten seine Meinung über die portugiesische und brasilianische Realität kundzutun.


Text:  Alcides Murtinheira
Übersetzung: Martina Schmidt