13. und 14. Jahrhundert: Die ersten Prosatexte

Die ersten in Prosa verfassten Texte können aufgrund ihres bürokratischen und verwaltungstechnischen Inhalts natürlich nicht als literarisch bezeichnet werden. Die Schriftstücke sollten schließlich in erster Linie die rechtmäßigen Besitzansprüche an bestimmten Ländereien klären. Diese ursprünglich in Latein verfasste notarielle Prosa wurde seit der Herrschaft D. Dinis’ (1261-1325) auf Portugiesisch verfasst.


Religiöse Lobes- und Erbauungsprosa

Auch in den Klöstern – insbesondere denen von Alcobaça und Santa Cruz (Coimbra) – ersetzten die Mönche in anonymen Texten das Lateinische nach und nach durch Portugiesisch. Neben der Schilderung des Lebens der Heiligen und biblischen Paraphrasen war eine der wichtigsten Funktionen dieser Texte die Förderung biblischer Tugenden. Diese Lobes- und Erbauungsprosa besitzt bereits einen gewissen literarischen Wert, allerdings war die Herausbildung eines Stils und einer ursprünglichen Form beeinträchtigt. Das lag daran, dass die inhaltlich gleichen mystisch-religiösen Texte immer wieder von verschiedenen Autoren verfasst wurden.


Ritterromane und Ratgeber-Literatur für den Adel

Die Übersetzungen von Ritterromanen sind zwar keine Originale, aber nichtsdestotrotz erwähnenswert im Zusammenhang mit dem Gebrauch der portugiesischen Sprache. Die Ritterromane stellen nicht nur in Portugal eines der ersten Beispiele literarischer Prosa dar. Einer der bekanntesten Ritterromane in Portugal wurde dennoch erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts von einem unbekannten Autoren veröffentlicht: Amadis de Gaula berichtet von den Abenteuern eines mutigen Ritters, der unsterblich in eine Dame verliebt ist, die er am Ende erobern kann.

Im wirklichen Leben war der Adel in verschiedene Kämpfe verwickelt: Die nationale Unabhängigkeit musste gegen die kastilische Bedrohung verteidigt werden. Nach der schweren Krise von 1383-1385 kam es mit der Besteigung des Throns durch den Mestre de Avis, D. João I. (1357-1433), zu einer Phase des Friedens. Dies zwang den Adel zur Suche nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten, nachdem nun die schier endlos andauernde Herausgabe von Kriegsgütern beendet worden war. Mit dem Ziel, zu einer zivilen Ausbildung dieses neuen Adels beizutragen, schrieb der erste König der Avis-Dynastie ein Livro de Montaria („Buch des Jagdwesens“). Es beinhaltete eine Fülle von Ratschlägen und Informationen über die Kunst des Jagens, insbesondere die Bären- und Wildschweinjagd.

Auch seinen Söhnen vermittelte D. João den moralischen Wert der Literatur. Infolgedessen widmeten sich zwei von ihnen der Erbauungsprosa. Der Infant D. Pedro (1392-1449) war Autor eines philosophischen Traktats, O Livro da Virtuosa Benfeitora („Das Buch der tugendhaften Wohltat“). In diesem stellte die feudale Gesellschaft der Epoche in Form einer Pyramide mit Gott an deren Spitze dar.

D. Duarte (1391-1438), der nach dem Tod des „Mestre de Avis“ zum König wurde, verfolgte mit A Arte de Bem Cavalgar Toda a Sela („Die Kunst, gut in jedem Sattel zu sitzen“) das bereits vom Vater an den Tag gelegte didaktische Bestreben. In O Leal Conselheiro („Der ehrliche Berater“) behielt er deutlich länger den essayistischen Charakter bei, der sich auch im Werk seines Bruders findet. O Leal Conselheiro ist gleichzeitig eine kritische Analyse der Gesellschaft seiner Zeit und eine introspektive Auseinandersetzung mit den Vorgängen des Seelenlebens. Wenngleich auf indirekte Art und Weise, so ist D. Duarte auch die Entstehung einer sachgemäßen Geschichtsschreibung in Portugal geschuldet.


Text: Alcides Murtinheira
Übersetzung: Martina Schmidt