Das 20. Jahrhundert

Die Phase der monarchischen Dekadenz ließ bereits politische Veränderungen erahnen (die Errichtung der Republik schien unausweichlich). Diese führten dazu, über das Schicksal eines Landes nachzudenken, das weit entfernt war vom Glanz und der Pracht früherer Epochen. Ein solcher Rückblick auf die Vergangenheit vermischte sich verständlicherweise mit einem Gefühl von Sehnsucht („saudade“), das zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit mehr war als eine literarische Zuflucht und sogar zu einem philosophischen Konzept wurde.


 

Literarische Zeitschriften zu Beginn des Jahrhunderts

Teixeira de Pascoaes: Águia
Teixeira de Pascoaes (1877-1952) ist der Hauptmentor dieser philosophisch-literarischen Strömung, deren Doktrin sich in den Werken wie Marânces (1911) und Elegia de Amor (1924) findet.

Die Zeitschrift Águia, die von Pascoaes zwischen 1910 und 1930 herausgegeben und verlegt wurde, ist die erste einer Reihe von periodisch erscheinenden literarischen Publikationen. In ihnen sind die bedeutendsten und innovativsten Namen der portugiesischen Literatur in den ersten Jahrzehnten des neuen Jahrhunderts vertreten.

Fernando Pessoa: Orpheu
Eine der kurzlebigsten, aber bedeutendsten ist die Zeitschrift Orpheu, deren erste Ausgabe 1915 erschien. Sie verbreitete den europäischen Modernismus in Portugal, genauer den Futurismus von Phillippo Marinetti. Er war italienischer Autor und Mitglied einer „Aktualisierungsbewegung“ der Literatur und der Kunst im Allgemeinen, die zu dem neuen Zeitalter des technischen Fortschritts in Beziehung gesetzt werden sollten.

Die ersten Mentoren des Orpheu waren Fernando Pessoa (1888-1935), Mário de Sá-Carneiro (1890-1915) und Almada Negreiros (1893-1970), der provokativste und vielseitigste von allen, der sich auch in den plastischen Künsten einen angesehenen Namen gemacht hat.

Sá-Carneiro veröffentlichte einige Erzählungen, wurde aber vor allem als Dichter bekannt. Dispersão (1914) spielt schon im Titel auf die Schwierigkeit des Konzentrierens an, auf die Vielfalt der Möglichkeiten, mit denen sein Inneres konfrontiert wurde und kündigt das tragische Ende seines Lebens an.

Fernando Pessoa widerfuhr zu Lebzeiten nicht das kleinste bisschen von dem Ruhm, der seinem Werk Jahrzehnte nach seinem Tod zukam. Als einziger Fall in der Literaturgeschichte der Welt war Pessoa nicht nur in seiner eigenen Persönlichkeit als Schriftsteller tätig, sondern er schuf eine Reihe von Heteronymen, d.h. ausgedachte Autoren mit eigenen Stilen und unterschiedlichen Einstellungen zum Leben.

Fernando Pessoa als Autorenname selbst wird in der Literatur Ortonym genannt und bezieht sich auf Texte, die mit seinem eigenen Namen unterzeichnet sind. Dazu gehört zum Großteil die Poesie mit philosophischem Charakter, die sich den Geheimnissen des Lebens widmet. Mensagem, sein einziges Buch, das zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde (1934), enthält eine messianische Erörterung von historischen Aspekten der portugiesischen Geschichte, durchdrungen von einem großen Mystizismus.

Das erste der bekanntesten Heteronyme, die von Fernando Pessoa geschaffen wurden, war Alberto Caeiro, ein wenig gebildeter Bauer, der über eine sehr eigene Weisheit und eine sehr eigene, natürliche Analysefähigkeit verfügte, die aber deswegen nicht weniger tiefgehend ist. Álvaro de Campos, dem Pessoa den Beruf des Schiffsingenieurs zudachte, ist der Verkünder der neuen mechanistischen Welt, wo der Fortschritt in jeder neuen Maschine sichtbar wird, die in die natürliche Landschaft einbricht. Seine Oden schwanken zwischen Enthusiasmus für die Veränderungen, die die ersten Jahrzehnte des Jahrhunderts kennzeichnen und Widerwillen sowie Enttäuschung über seine eigene Unfähigkeit, die (seine) Welt zu verändern. Ricardo Reis, der interessanterweise von Pessoa als nach Brasilien exilierter Monarchist definiert (biografiert) wird, ist Arzt und in Leidenschaft für die Klassiker entbrannt. Er verbindet in seinen Gedichten einen erzieherischen Charakter mit der Verteidigung der Freiheit eines jeden Individuums.

Camilo Pessanha (1867-1926) ist der erste wirkliche Symbolist Portugals. Sein Schaffen ist durch Rhythmus und eine außergewöhnliche Musikalität gekennzeichnet.

Seara Nova
Seara Nova entstand aus dem Bestreben ehemaliger Mitarbeiter der Zeitschrift Águia, eine neue literarische Publikation zu beginnen. Die Zeitschrift, die zwischen 1921 und 1982 verlegt wurde, wurde vor allem durch die Veröffentlichung von Essays (nicht nur über Literatur) bekannt. Von den Personen, die zu Beginn mit dieser Publikation verbunden waren, verdienen besondere Beachtung:

  • der Geschichtsschreiber Jaime Cortesão (1884-1960),
  • der Schriftsteller Raul Brandão (1867-1930), ein Expressionist, der den weniger Begünstigten eine Stimme gab, ihre schwierigen Lebensbedingungen beschrieb und der mit Os Pescadores (1923) einige Popularität erlangte,
  • Manuel Teixeira Gomes (1860-1941), Schriftsteller und später auch Präsident der Republik und
  • Aquilino Ribeiro (1885-1963).

Aquilino Ribeiro schrieb seine Romanen durch eine sehr reiche Sprache in einem regionalistischen Ton. Unter anderem in O Malhadinhas (1922) und Terras do Demo (1928) fand das harte Leben der Menschen in stark abgelegenen Regionen des Landes Eingang in die portugiesische Literatur. Die Beschreibungen wären auch heute noch nicht völlig unzutreffend.

Presença
Die Zeitschrift Presença ist von 1927 bis 1940 wichtig; aus ihr gehen Namen wie José Régio (1901-1969) und Miguel Torga (1907-1995) hervor.

Die Vielfältigkeit von José Régio zeigt sich in Bereichen wie dem Theater, der Poesie, dem Roman und dem Essay. Die Thematik seiner fiktionalen Arbeiten artet häufig in eine Selbstanalyse aus, unter Einbeziehung des Mystizismus und vor allem des Konfliktes zwischen Mensch und Gott. Als Essayist widmete er sich der portugiesischen Literatur. Er ist einer der ersten, der sich mit dem Werk Florbela Espancas (1894-1930) auseinandersetzt. Sie war eine von den literarischen Bewegungen unabhängige Dichterin, die es wagte, ihren Versen eine Sinnlichkeit zu geben, die bis dahin in der (zu jener Zeit spärlichen) weiblichen Literatur unbekannt war. In ihren Gedichten findet sich auch ein Gefühl der Enttäuschung über die fehlenden Möglichkeiten des Lebens, d.h. über die Unmöglichkeit, sich eine Existenz zu schaffen, die weniger von Leid und Einsamkeit geprägt gewesen wäre, und der sie ein Ende setzte.

Betrachtet man Miguel Torga in der Zeitschrift Presença, wird offensichtlich, dass ihm sein wirklich unabhängiger Geist (der sich zum Beispiel in einem Diário zeigt, dass er jahrzehntelang geführt hatte) zu einem bedeutenden Status innerhalb der portugiesischen Literatur verhalf. Dies führt dazu, dass sein Werk unabhängig von literarischen Strömungen analysiert wird. Von seinem umfangreichen Werk, aus dem das erzählerische Talent hervorsticht, verdienen Bichos (1940) und Contos da Montanha (1941) besondere Erwähnung. In ihnen verbindet sich die Kraft der Natur mit einer gewissen Religiosität.


 

Die Strömung des Neorealismus

Ferreira de Castro (1898-1974) war mit dem gleichen unabhängigen Geist gegenüber dem Leben und der Literatur ausgestattet. Da er mit 12 Jahren nach Brasilien emigriert war, begann Ferreira de Castro außerhalb Portugals zu schreiben. In Brasilien war er als Kautschukarbeiter im Amazonasgebiet und später als Journalist tätig. Emigrantes (1928) und A Selva (1930) sind Beispiele für eine lebhafte Prosa, die viele Aspekte seiner persönlichen Erfahrung widerspiegelt. In dem Maß, in dem sein Werk wuchs, machten sich auch Veränderungen auf dem sprachlichen Niveau bemerkbar, am deutlichsten in A Lã e a Neve (1947). Was die Komposition der Figuren betrifft, sind diese Veränderungen am besten erkennbar in A Missão (1954).

Ferreira de Castro wird als Begründer des Neo-Realismus erachtet: zum einen, weil er vieles von dem, was er erlebt hatte, in seine Werke einband, vor allem aber, weil er die harten Lebensbedingungen der arbeitenden Klassen sehr ausführlich beschrieb. Auf ideologischem Niveau jedoch fehlte ihm – und viele finden gerade das wichtig – das politische Engagement (oder sogar die politische Parteianhängerschaft), das vor allem den portugiesischen Neorealismus kennzeichnete. Nach dem Staatsputsch von 1926 konnten die politischen Parteien (darunter die Kommunistische Partei Portugals – Partido Comunista Português) nur im Untergrund überleben. Die Zensur war sehr streng mit der Presse und der Literatur. Die Aktivitäten der Zeitschrift Vértice waren angesichts der von der Zensurbehörde aufgestellten Einschränkungen erstaunlich regelmäßig. Vértice wurde sozusagen zum verbreitenden Organ des Neorealismus, das darum bemüht war, den sozialen Konflikten und dem Kampf des Proletariats literarischen Ausdruck zu verleihen.

Im Folgenden sind einige Vertreter dieser literarischen Strömung aufgezählt, die eine marxistische Perspektive des Lebens vermitteln und die Probleme der ärmsten sozialen Schichten diskutieren wollte:

  • Soeiro Pereira Gomes (1909-1949) war Autor von Esteiros (1941), einem Werk, dass den „Menschen, die niemals Kinder waren“ gewidmet ist.
  • Alves Redol (1911-1969) war Romancier und schrieb unter anderem Gaibéus (1940) und Barranco de Cegos (1962) und
  • Manuel da Fonseca (1911-1993) war ein sehr schaffensfreudiger Autor, dessen Werke nach der Revolution vom 25. April 1974 im Kino und im Theater adaptiert wurden, wie Cerromaior (1942) und Seara de Vento (1958).

Neue Wege der Kommunikation und gesellschaftliche Veränderungen

Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelten sich neue Formen der gesellschaftlichen Kommunikation, neue Medien, durch die einige Autoren auch dem sogenannten breiten Publikum bekannt wurden. Das hieß jedoch nicht immer, dass ihr literarisches Werk tatsächlich mehr gelesen wurde, zumal sich keine besonderen Lesegewohnheiten in der Bevölkerung einstellten.

Vitorino Nemésio (1901-1978) zum Beispiel wurde in den 70er Jahren hauptsächlich durch wöchentliche Auftritte im Fernsehen bekannt. Sein fesselnder umgangssprachlicher Stil enthüllte zugleich eine umfassende Kultiviertheit. Zu diesem Zeitpunkt hatte er jedoch schon Jahrzehnte als Schriftsteller und Literaturprofessor hinter sich. Er war Poet, Romancier und Essayist und ließ in seinem Werk sowohl die Herkunft von den Azoren als auch einen Hang zu volkstümlichen Traditionen erkennen. Mau Tempo no Canal (1944) veranschaulicht sehr gut das soziale und literarische Bewusstsein eines Schriftstellers, der zwar physisch nicht in seiner Heimat anwesend, aber die ihm eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration war und in seinen Werken immer wiederkehrte.

In den 60er Jahren wurde ein Teil des Werkes von Fernando Namora (1919-1989) durch das Kino bekannt. Als Mediziner kam er aus dem ländlichen Milieu in die städtischen Ballungsräume und wanderte in Zuge dessen auch vom Neorealismus zum Existenzialismus. Von Retalhos da Vida dum Médico wird 1949 der erste Band veröffentlicht; darin verknüpft er die im Inneren des Landes erlebten Erfahrungen. Der andere Band wird 1963 veröffentlicht und enthält bereits Referenzen zur Ausübung der Medizin in der Hauptstadt. Diese Bände ermöglichen es, die Veränderung des Schriftstellers nachzuvollziehen. Sie wurden außerdem für das Kino adaptiert, so wie auch Domingo à Tarde (1961), in dem Fernando Namora bereits Fragen metaphysischen Charakters stellte.


Nelkenrevolution und Literatur

Existenzialismus: Vergílio Ferreira
Das nahezu gesamte literarische Werk von Vergílio Ferreira (1916-1996) befasst sich mit Überlegungen zur menschlichen Natur (die Ansätze unterscheiden sich aber) und es ist das markanteste Beispiel für den Existenzialismus. Auch dank einer erfolgten Kino-Adaption wurde Manhã Submersa, eines seiner ersten Bücher (1944), lange nach seiner ersten Veröffentlichung ein literarischer Erfolg. Vergílio Ferreira gehört zu den Schriftstellern mit den meisten nationalen und internationalen Preisen und hinterließ ein Tagebuch, Conta-Corrente, das ab dem Jahr 1981 veröffentlicht ist. Es stellt einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der sozialen Veränderungen dar, die sich in Portugal nach dem 25. April ereigneten.

Surrealismus: Natália Correia
Natália Correia (1923-1993) leistete einen ebenbürtigen Beitrag. Bekannt ist sie viel mehr für ihre Poesie und die Grimmigkeit ihrer Äußerungen über die portugiesische Gesellschaft vor und nach der Wiederherstellung der Demokratie. Ohne sich in eine exakte literarische Strömung einordnen zu lassen, streift Natália Correia gelegentlich den Surrealismus, der in Portugal zeitlich unabhängig von den Literaturen in anderen Ländern auftrat. Natália Correia machte sich auch die Dramaturgie und den Essay zu Eigen und war für die Organisation von Anthologien verantwortlich.

Alexandre O’Neill
Das poetische Schaffen von Alexandre O’Neill (1924-1986) ist noch deutlicher mit dieser Strömung verbunden, wenn auch nicht absolut von ihr vereinnahmt, und es ist übervoll von Ironie und Sarkasmus. Alexandre O’Neill erging es wie vielen anderen Autoren: einige seiner Texte wurden vertont (dabei arbeitete er engagiert mit) und in erster Linie von Amália Rodrigues interpretiert, der berühmtesten portugiesischen Sängerin. Der Fado war ein Mittel, Gedichte unter allen sozialen Klassen zu verbreiten. Diese stammten von Autoren wie Pedro Homem de Mello (1904-10984), der aus der Presença-Generation stammt und die portugiesische Folklore genauestens studierte, oder David Mourão-Ferreira (1927-1996), auch ein Erzähler, Essayist und ordentlicher Professor, dessen Werk Erotik und eine formale Eleganz verströmt, die auf diese Weise einzigartig in der portugiesischen Literatur sind.

David Mourão-Ferreira
David Mourão-Ferreira konnte sich angesichts der Tatsache, dass die portugiesische Hauptstadt die letzte Bastion literarischer Zirkel war, als „Poet von Lissabon“ bezeichnen. Besonders in Lissabon versammelten sich Bohemiens und Intellektuelle, deren Lebensstil zum Beispiel von José Cardoso Pires (1925-1998) gelebt und bewundert wurde. Dieser zog es vor, seine sozialen und politischen Sorgen in einer objektiven Literatur offenzulegen. Dabei wurde er von nordamerikanischen Meistern des Erzählens etwas beeinflusst und war stark kritisch in Bezug auf die Tätigkeit des Estado Novo. O Delfim (1968) und Dinossauro Excelentíssimo (1972) sind Romane, die sich schlagkräftig gegen die Werte auflehnen, die vom Regime vor der Revolution vom 25. April 1974 am meisten geschützt wurden, und die am stärksten zu der verschlossenen Atmosphäre (man bezeichnet sie sogar als drückend) beitragen, die noch immer in Portugal herrschte. Mit Balada da Praia dos Cães (1982) gelang Cardoso Pires ein anderer großer literarischer Erfolg, wie die Verkaufszahlen bewiesen. Das Buch handelt von einem berühmten Fall, der sich Anfang der 60er Jahre im Schoß der gegen Salazar gerichteten Opposition zutrug.


Kolonialkrieg und literarisches Schaffen

Der Ausbruch des Kolonialkrieges in den 60er Jahren beeinflusste das politische Bewusstsein vieler Schriftsteller, die das Wort als Waffe in der gegenwärtigen Situation nutzten, ohne selbst militant zu sein. Sophia de Mello Breyner Andresen (geboren 1919) wandte sich zunächst dem kindlich- jugendlichen Universum und einer Poesie von sehr ausgeglichener Sprache zu, die von der Bewunderung für die griechische Zivilisation zeugt. Mit Livro Sexto (1962) hingegen zeigt sie immer deutlicher ihre Ablehnung der herrschenden Ungerechtigkeiten. Nach der Revolution im April war Sophia de Mello Breyner Andresen eine der meist geehrten und ausgezeichneten Schriftstellerinnen.

Die Nelkenrevolution und ihre Auswirkungen auf den literarischen Markt
Mit der sogenannten Nelkenrevolution kam es auch zur Abschaffung der Zensur und zu einer größeren Verbreitung der literarischen Werke, wenn auch nicht mehr im Schutz der literarischen Zeitschriften. Hervorstechend sind das Jornal de Letras, das seit den 80er Jahren mit einer bemerkenswerten Regelmäßigkeit veröffentlicht wird und insgesamt die zunehmende Verbreitung von Informationen zu literarischen Neuheiten über die sozialen Medien.

Literarische Auszeichnungen
Die Zahl der literarischen Auszeichnungen für Erstlingswerke und zur Ehrung literarischer Laufbahnen erhöhte sich. Agustina Bessa-Luís (geboren 1922), eine produktive Romanschriftstellerin, gehört sicherlich zu den meist prämierten Namen. Ihre Fähigkeit, Figuren und Situationen zu analysieren, ist einmalig; geschichtliche Momente und Personen Portugals beeinflussen oft ihr Schaffen. Ihr Roman A Sibila (1954) wird einhellig als ein Meilenstein der portugiesischen Literatur betrachtet, und war bereits Bestandteil der Lehrpläne im Sekundarschulwesen.

Literatur in der Schule
Die Frage nach der Verbreitung der Literatur in den Schulen wurde zur Zielscheibe einer umfassenden Debatte. Es war praktisch unmöglich, darüber einig zu werden, welche Autoren in den Fächern behandelt werden sollten, die sich der Sprache und Kultur Portugals widmen. Die Lesegewohnheiten der Portugiesen waren nie sehr ausgeprägt (und vor allem nie richtig gefördert worden). Obwohl die Zahl an Bibliotheken zugenommen hatte, entstanden zugleich neue Formen der Freizeitbeschäftigung, die gewissermaßen in Konkurrenz zur Literatur standen, zumindest zur Literatur in ihrer traditionellsten Form. Einige junge Autoren sind jüngst vor allem auf dem Gebiet der Poesie sehr erfolgreich gewesen, wie zum Beispiel José Luís Peixoto oder Jacinto Lucas Pires (der auch Ausflüge ins Theater unternahm). Sie verwendeten eine Sprache, die der Alltagssprache der jüngeren Generationen ähnlich ist und suchten (speziell im ersten Fall) nach aktuell modernen Verbreitungs- und Vertriebsmöglichkeiten ihrer Werke.

Literatur ‚light’
Der Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert ist auch gekennzeichnet vom Auftreten einer leichten, seichten Literatur (oft „light“ genannt). Dieses Phänomen ist in Portugal relativ neu, in anderen Breitengraden aber schon seit Jahrzehnten bekannt (mit Bezeichnungen wie zum Beispiel „Flughafenliteratur“). Diese Art von Literatur wird gut aufgenommen, ist aber von den literarischsten Zirkeln weitestgehend ausgenommen. Allerdings hat sie zumindest den Vorteil, markante Verkaufszahlen zu erreichen. Ob sich die neu gewonnenen Leser entscheiden, „die Brücke zu überqueren“ und zu anderen Ufern in der Literatur vordringen, einer formal und ideologisch komplexeren Literatur, wird das neue Jahrhundert zeigen.


Text: Alcides Murtinheira
Übersetzung: Matina Schmidt