Bis zum 13. Jahrhundert: Die Entstehung der portugiesischen Sprache

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Iberische Halbinsel von zahlreichen Völkern unterschiedlicher Herkunft besetzt. Entsprechend unterschiedlich waren auch ihre Sprachen. Das Meer als schwer überwindbare Hürde trug dazu bei, dass sich die angekommenen Völker dauerhaft in dieser Region ansiedelten und so vermischten sich im Laufe der Zeit die Völker und ihre Sprachen.


Römische Besatzung und Einfluss des Lateinischen

Im Jahr 219 v. Chr. landeten die ersten römischen Truppen auf der Halbinsel. Ihr Ziel war es, die Karthager daran zu hindern, dort weitere Männer für ihre Armee zu rekrutieren.

Den Römern gelang es, die Halbinsel beinahe vollständig zu kolonialisieren, wobei sie auf unterschiedlich starken Widerstand in den einzelnen Regionen stießen. Im Zuge dieser Kolonialisierung verschwanden nach und nach die charakteristischen Eigenheiten der einheimischen Kulturen.

Das Lateinische, die Sprache der Eroberer, verdrängte die Sprachen, die bis dahin in den unterschiedlichen Parzellen des Römischen Reiches gesprochen worden waren. Allerdings beeinflussten umgekehrt diese Sprachen auch das Lateinische, so dass sich das gesprochene Latein der Halbinsel von demjenigen der anderen romanisierten Gegenden unterschied. Während das geschriebene Latein eine gewisse Einheitlichkeit aufwies, fanden sich in der Alltagssprache Merkmale aus der Zeit vor der Romanisierung wieder. In diesem Kontext spricht man vom Vulgärlatein, womit die weniger „reine“ Sprache der Bewohner des Imperiums bezeichnet wird. Die Auffassung von „weniger rein“ änderte sich natürlich, als andere Völker mit anderen Sprachen in die Gebiete des Römischen Reiches einfielen und so zu dessen Sturz führten.


Herrschaft und Einfluss der Westgoten und Araber

Konkret für die Iberische Halbinsel ist das Jahr 416 n. Chr. zu nennen. Zu dieser Zeit, nach den sogenannten Überfällen der Barbaren, besiedelten die Westgoten das Territorium. Diese waren ein Volk germanischen Ursprungs, das bereits teilweise romanisiert worden war. Die gesprochene Sprache erfuhr im Zuge dessen eine Bereicherung durch germanisches Vokabular, allerdings kam es während der westgotische Besatzungszeit kaum zur Gründung von Schulen: Das Wissen und die Wissensvermittlung waren in der Hand der Kirche, wo ein möglichst reines Latein gesprochen wurde.

Auf sprachlicher Ebene viel wichtiger ist die arabische Besetzung, die im Jahr 711 begann. Unzählige Vokabeln aus den Bereichen der Agrarkultur, des Handels und der Wissenschaft führten zu neuen Gedankengänge und Sichtweisen. Sie ermöglichten so neue sozioökonomische Modelle und Konzepte.

Die Araber hatten große Schwierigkeiten, den Norden unter ihre Kontrolle zu bringen. und waren zudem in interne Konflikte verstrickt. Während ihrer Besatzung war es ihnen nicht gelungen, ihre Religion als die herrschende durchzusetzen. Bereits zum Ende des 8. Jahrhunderts begannen sie den Rückzug. Es entstanden Königreiche und Grafschaften, darunter im 9. Jahrhundert eine gewisse Grafschaft „Portucalense“. Die Hauptsiedlung nannte sich „Portucale“ und befand sich in der Nähe der Douro-Mündung. Dies kann als Kern gesehen werden, aus welchem sich drei Jahrhunderte und mehrere Gebietseroberungen später das unabhängige Land Portugal entwickelt hat.


Die Entstehung des Portugiesischen

Parallel dazu entwickelte sich die portugiesische Sprache aus der Vermischung des Vulgärlateins mit den Sprachen der nach den Römern auftretenden Eroberer. Zu Beginn ist die Bezeichnung „galizisches Portugiesisch“ wohl korrekter: Trotz der Unabhängigkeit Portugals (1140-1143) sind keine nennenswerten Unterschiede zwischen der gesprochenen Sprache des neuen Landes und der Sprache Galiziens festzustellen. Später wurde das Kastilische zur Bildungssprache in Galizien (vor allem schriftlich) und das politischen Zentrum wurde nach Lissabon verlagert. So entwickelten sich das Portugiesische und das Galizische auseinander und wurden zu zwei eigenständigen linguistischen Entitäten.

Im 13. Jahrhundert legte König D. Dinis fest, dass anstelle des Lateins ab sofort das Portugiesische die Sprache offizieller Dokumente sein solle. Auch wenn diese selbst kein literarisches Gehalt besitzen, so heißt das jedoch bei weitem nicht, dass es nicht schon in dieser Epoche ausreichend Beispiele für literarisches Schaffen in Portugal gegeben hätte.


Text: Alcides Murtinheira
Übersetzung: Martina Schmidt